Rimini die Dritte – Wohnmobil Office
Wie ich in fünf Minuten zur Italienerin werde
So geht Anpassung: Auf die Lautstärke kommt es an.
An einer kleinen versteckten Strandbar in Rimini, nach 25 km Radeln braucht es jetzt ein Bier. Normen bestellt Aperol Spritz und ein Birra. Die voluminöse Grauhaarige schaut entsetzt. Er sagt: Birrrrra. Keine Reaktion. Biiiiiiiiira. Beerra? Ich rufe: Cerveza. Da kracht neben mir die lauteste italienische Lache los, die mir je das Trommelfell zerfetzt hat: Cerveza, hahaha, Cerveza!!!! È Espagnol! Hahaha, Cerveza, Cerveza. Sie schreit das gefühlt 80 Mal und sagt dann immer wieder: Das kann sie ja nicht verstehen, weil es spanisch ist. Ich versuche mit meinem Halbitalienisch zu fragen, wie es denn auf Italienisch heißt, aber die Frau schreit mir nur entgegen: hahaha, cerveza, espanol, cerveeeeeeza!!!! Ich denk, die hat ja ’n Knall, frag ihren Mann auf Englisch, no parlo ...., die Cerveza-Schreierin kriegt sich nicht ein, die Tante an der Bar ist völlig lost, weiß nicht, was sie tun soll.
Da denke ich, jetzt mach ich das wie eine echte Italienerin und schreie die Schreierin an: ok, cerveza, haha, cerveza, cerveza espanol, italia??? Que italia? Ich muss das ca. 10 Mal schreien, während sie immer ihren eigenen Sermon zurückschreit, und irgendwann klickt es und sie ruft: Bieeeeera. Ich wiederhole in derselben Lautstärke Bieeeeera. Ungefähr 10 Mal. Und dann hat’s auch die Bardame verstanden. Ein kühles Bier steht auf dem Tresen. Aber kein Aperol....
Später fragt mich Normen völlig konsterniert, worüber wir uns eigentlich so erbittert gestritten hätten. Ich befinde, das lief doch hervorragend. Ich bin schon eine halbe Italienerin.
Speis und Trank
Egal, wohin ich die letzten Jahre mit dem Wohnmobil unterwegs war, stets rege ich mich auf, dass Netto, ALDI und Lidl schon vor mir da sind und es statt uriger einheimischer Kost überall nur noch Pizza und Döner gibt.
Was für eine wahnsinnig freudige Überraschung, als wir in einer italienischen Pizzeria eine Vorspeise bestellen: Insalata di angioletti.
Große Verwirrung seitens des Kellners, ob wir das zusammen oder nach der Pizza wollen. Nein, nein, wir wollen das VORHER.
Was dann kommt, sieht aus wie „Brot-Bollen-Salat mit Parmesan und Rucola“. Und schmeckt erstaunlicherweise sehr, sehr lecker. Ein bisschen ähnlich wie Churros.
Ich finde heraus: Angioletti (Engelchen) sind in der traditionellen italienischen Küche frittierte Teigstreifen aus Pizzateig, die sowohl herzhaft als auch süß serviert werden.
Toll, echt ein Zugewinn, mal wieder was gefunden, was es nicht überall schon gibt oder im Fernsehen gezeigt wird.
Geh nicht dem Spiegeltrick auf den Leim!
Und das geht so:
Auf der Autobahn tut es einen entsetzlichen Knall, als du einen kleinen, sehr langsamen PKW überholst. Du hast dich noch gewundert, warum der Typ im Wagen so komisch schräg nach oben guckt.
Du erschrickst, schaust nach, findest keinen Schaden. Scheint auch nichts auf der Straße zu liegen. Da überholt dich der Typ wiederum hupend und wild gestikulierend. Er winkt dich auf den Standstreifen.
Oh, der Arme, ist ganz aufgeregt, betroffen, schnappt nach Luft und zeigt dir dann, dass du ihm wohl beim Überholen den Spiegel abgeknickt hast.
Erst mal dauert's, bis bei dir einsickert, was er dir sagen will. Das geht ihm zu langsam, er faselt von Policia, Insurancia und zeigt dann auf seine Uhr. Aha, er hat es eilig. Aber was nun? Du stehst immer noch unentschlossen rum. Er kommt in Fahrt, hält dir sein Handy unter die Nase: Der Spiegel kostet 289,-, am besten zahlst du das jetzt gleich.
Soso. Du bist nicht überzeugt. Du hast noch nie jemandem den Spiegel abgefahren, also, wer sagt denn, dass der Typ dir nicht einfach zu nahe kam? So wie der geguckt hat.
Jetzt wird's ihm aber bunt. Er geht zielstrebig an dein Auto und deutet auf eine pechschwarze Reibspur. Du erschrickst, suchst nach Kratzern und Beulen, denn das muss man ja auf jeden Fall melden. Sogleich beschwichtigt er: Nein, nein, „Nur Gummi, nix kaputt“ – und wieder die 289 Euro cash, schau, hier bei Google steht es.
Nee, nee, das ist aber viel. Da willst du schon zuerst die Versicherung anrufen und fragen, wie man so was verhandelt. Und plötzlich reichen ihm auch 100 Euro. Sonst „Policia“. Der dumme Kerl merkt gar nicht, dass deine Unentschlossenheit einfach nur daher rührt, dass du überrumpelt bist. Möglicherweise hättest du ihm gerade sogar 100 Euro zugesteckt, man will ja nicht fies sein.
Er jedoch droht wieder, geht dann auf 50,- runter und dein Unterbewusstsein hat jetzt den Braten gerochen. Er sieht es an deinem Blick.
Da springt der Kerl ins Auto, ruft noch ein paarmal „Policia, Policia“ und weg ist er.
Du bist einigermaßen betreten. Willst dich ja auch nicht als asoziales Touristenschwein outen, wolltest doch nur erst mal rausfinden, was da wirklich passiert war. Kommst dir sogar schlecht vor. Wenn er dich jetzt anzeigt? Als „Ausländer“ ist man doch der Mops!
Und was tut man in so einer Situation? Natürlich, man fragt Google! Und findet sogleich eine herrliche Beschreibung darüber, wie der berühmt-berüchtigte Spiegeltrick auf Autobahnen funktioniert:
Der Betrüger wirft einen schwarzen Gummi- oder Tennisball gegen das vorbeifahrende Auto, was ordentlich knallt und auch eine schwarz Spur auf der Karosserie hinterlässt.
Dann überholt er, nötigt das erschrockene Opfer auf den Standstreifen und deutet auf seinen bereits vorher beschädigten Außenspiegel sowie die schwarze Abriebspur, was ihm Beweis genug ist, dass man seinen Spiegel abgefahren habe.
Je nachdem, was der Betrüger für ein Typ ist, fällt die Show mehr oder weniger originell aus. Sie mündet jedenfalls immer in einer schnellen Zahlungsaufforderung oder Flucht, falls man tatsächlich Polizei oder Versicherung einschalten will.
Ankunft
Über Ravenna braucht man nicht mehr zu fahren. Die letzten 40 Kilometer ziehen sich wie Kaugummi. Dazu Starkregen, enge Autobahn und endlos schleichende Lkw-Kolonnen. Diese in der Nacht zu überholen macht besonders Freude. Gesegnet sei, wer weder nachtblind ist noch eine Brille trägt.
