Herbert Rosendorfer – Das Zwergenschloss
von Herbert Rosendorfer
Aus dem Buch "Das Zwergenschloss"
Seite 214
Wir hatten auch ein Ballett. Es bestand aus zwei älteren Damen und einem Herrn, der gleichzeitig der Souffleur unseres Unternehmens war, was ohne weiteres ging, weil ja in Szenen, in denen getanzt wird, nichts zu soufflieren ist. Der Primoballerino war ein hervorragender, geistesgegenwärtiger Souffleur, der manche Vorstellung gerettet hat, aber als Tänzer war er nicht erste Klasse. Er war so gichtbrüchig, daß das, was er auf der Bühne machte, eigentlich gar nicht mehr Tanz war. Seine rostigen Glieder klinkten nur in drei oder vier verschiedenen, sozusagen vorgefertigten Tanzpositionen ein, in denen er dann allerdings wie aus Gußeisen stand, und selbst unsere beiden schon leicht übergewichtigen Etoiles konnten an ihm herum-turnen, ohne daß er auch nur wippte.
Eine andere Sache waren die Kostüme.
Seite 187
Wir hatten auch ein Ballett. Es bestand aus zwei älteren Damen und einem Herrn, der gleichzeitig der Souffleur unseres Unternehmens war, was ohne weiteres ging, weil ja in Szenen, in denen getanzt wird, nichts zu soufflieren ist. Der Primoballerino war ein hervorragender, geistesgegenwärtiger Souffleur, der manche Vorstellung gerettet hat, aber als Tänzer war er nicht erste Klasse. Er war so gichtbrüchig, daß das, was er auf der Bühne machte, eigentlich gar nicht mehr Tanz war. Seine rostigen Glieder klinkten nur in drei oder vier verschiedenen, sozusagen vorgefertigten Tanzpositionen ein, in denen er dann allerdings wie aus Gußeisen stand, und selbst unsere beiden schon leicht übergewichtigen Etoiles konnten an ihm herum-turnen, ohne daß er auch nur wippte.
Eine andere Sache waren die Kostüme.
Seite 113
Der Bahnhof war weder hellbraun noch rosarot noch weiß noch grau. Der Bahnhof hatte überhaupt keine
Farbe.
»Der Bahnhof hat überhaupt keine Farbe«, sagte
Mommer.
»Das gibt es nicht«, sagte Gottlieb, »nichts hat gar keine Farbe. Das gibt es nicht.«
»Doch gibt es das«, sagte Mommer, »schau deine Hose an.« Gottlieb schaute seine Hose an.
»Deine Hose«, sagte Mommer, »hat gar keine Farbe.
Diejenigen, die deine Hose gemacht haben, haben sich nicht entschließen können: sollen sie sie grün machen oder sollen sie sie braun machen oder sollen sie sie grau machen. So haben sie sie grün, braun und grau gleichzeitig gemacht, und schau deine Hose jetzt an.
Seite 115
»Es sterben die Leute«, sagte der Wirt, »ob es regnet oder ob die Sonne scheint. Wenn einer stirbt, denke ich mir, hat er andere Sorgen.«
»Ich meine nur«, sagte Herr Kilian.
»Es ist einer gekommen«, sagte der Wirt, »vorge-stern ist einer gekommen und hat dem Mommer und dem Gottlieb ausrichten lassen, daß der Hans gestorben ist, kann auch sein der Karl - oder der Konrad, eher Karl, oder besser gesagt, der Benno - oder doch der Hans, ich weiß es nicht mehr.«
»War der verwandt?«
»Mit irgend jemand wird er schon verwandt gewesen sein. Jeder ist mit irgend jemand verwandt. Außer Adam und Eva, die waren mit niemandem verwandt, zunächst, später schon, natürlich, wie sie Kinder bekommen haben.«
»Darf ich eine theologische Frage stellen?« fragte
Herr Kilian.
» Wieso nicht«, sagte der Wirt.
»Wen«, fragte Herr Kilian, »haben die Kinder Adams und Evas geheiratet? «
»Die Kinder Adams und Evas?« fragte der Wirt.
»Die müssen«, sagte Herr Kilian, »doch zwangsläufig ihre Geschwister geheiratet haben - und das ist doch ver-boten? Die Enkel - die konnten dann schon wenigstens nur ihre Cousins und Cousinen heiraten - aber für die Kinder von Adam und Eva blieb nichts anderes übrig, als ihre Geschwister zu heiraten. Das ist doch eine Sün-de? Und außerdem ungesund, biologisch gesehen?«
»Kann sein«, sagte der Wirt.
»Ist zwangsläufig so«, sagte Herr Kilian, »vielleicht kommt daher das ganze Schlamassel.«
»Was für ein Schlamassel« sagte Mommer.
»Die Welt Geschichte«, sagte Herr Kilian.
146
Nach er seine Rente abgeholt hat, ist es sofort zum Friseur gegangen.
"Ihrer einundvierzig sind mitgegangen. Das waren: der Freitanz, der Walter ohne Schienbein, der andere Walter, den sie immer mit dem Walter ohne Schienbein verwechseln, der lange Horst, der eine, von dem niemand weiß, wie er heißt, der so eine Beule an der linken Schläfe hat, der Günther, der auch eine Beule hat, der Günther ohne Beule, der Herbert mit dem Plattfuß, der kleine Herbert, der kleine Willy, der Fußballer Gerd, der Rabbiner, der lange Karl und der Karl mit einem Arm, der, den sie Kunigunde nennen, der König, der Hans, der einmal vierhundert Mark hatte, der Hans aus Magdeburg, der Walter, der zu Ostern in dem Jahr, wo es im Juni noch geschneit hat, die Maulsperre hatte, Helmut, der Band-wurm, der grüne Manfred, der Filzschuh-Kurt, der Kurt ohne Läuse, der Rabbiner -«
»- den Rabbiner hast du schon aufgezählt«, sagte Mommer und gähnte.
»Pardon«, sagte Gottlieb, »also ... jetzt muß ich noch einmal von vorn anfangen...« Gottlieb repetier-te, stumm die Lippen bewegend und an den Fingern abzählend, bis ›Kurt ohne Läuser und fuhr dann laut fort:
«- und Burschi, Kanappee-Fritz, der weiße Colum-bus, der Russe, der andere Russe, der aber in Wirklichkeit ein Ungar ist, Werner, der Advokat, Erwin mit der gezähmten Ratte, der Werner ohne Zeigefinger, der taubstumme Georg, der Liliputaner, der andere Liliputaner, Kurt mit dem schiefen Mund, Martin mit" (...)
„Briefe in die chinesische Vergangenheit“
von Herbert Rosendorfer, 1983
Roman
Ein Mandarin aus dem China des 10. Jahrhunderts versetzt sich mit Hilfe eines "Zeit-Reise-Kompasses" in die heutige Zeit. Er landet in einer modernen Großstadt, deren Namen in seinen Ohren wie Min-chen klingt und die in Ba Yan liegt. Verwirrt und wissbegierig stürzt er sich in ein Abenteuer, von dem er nicht weiß, wie es ausgehen wird. In Briefen an seinen Freund im Reich der Mitte erzählt er vom seltsamen Leben der "Großnasen" und versucht Beobachtungen und Vorgänge zu interpretieren, die ihm selbst zunächst unverständlich sind.
Mein persönliches Fazit:
Das war vielleicht 1983 noch lustig, jetzt finde ich es einfach total lahm und auch einsiges "Modernes-Leben Bashing".
Als ob die Kleidung vor 1000 Jahren nicht lächerlich erschienen wäre, für jemanden, der woanders herkommt. Und dass Technik immer mit "Aberblauben" abgetan wird, Gähn.
Ich finde auch keinen roten Faden, keine Story, egal, wo man das Buch aufschlägt, es wird halt irgendein Merkmal der modern Zeit komisch beschrieben.
Das einzig nette Zitat, was ich gefunden hate lautet" Wenn man sich lang genug von einem Arzt untersuchen lässt,wird man krank." Seite 208
Vermutlich hat der Rosendorfer das noch nicht mal selber erfunden.
Die anderen Bücher vom Rosendorfer gefallen mit 1000 Mal besser.
