Ankunft in Shanghai: niemand da

[Ergänzt am: 3. April 2025]

Ankuft Keiner da
Gastgeschenk Milchpulver?
Ich sage was auf
Chinesisch
Ankuft in Shanghai und vor verschlossener Tür stehen
Richtig geil! Mit dem Transrapid fahren, die überfüllte Metro finden, in den wuseligen Straßen zu dem Haus kommen, in dem ich wohnen soll: alles easy-peasy.
Doch dann stehe ich vor einem geschwungenen Steintor und werde gewahr, dass es der Eingang zu mindestens fünf Hochhäusern ist. Mein Adresszettel enthält jedoch keine Angabe, in welchem der fünf ich wohnen soll.
Ankunft in Shanghai – und niemand da.
Allein in der Megacity. Ich finde einen älteren Herren in Uniform, in einem pappschachtelähnlichen Kabuff, und mache mich irgendwie auf Chinesisch verständlich. Aber auch er weiß nicht, wo ich wohne. Kurzerhand ruft er für mich meine Gastfamilie an, denn inzwischen ist auch mein Handy Akku alle.
Leider nimmt keiner ab. Wie blöd. Inzwischen bin ich schon etwas müde – zwei Tage am Amsterdamer Flughafen rumhängen und dann zehn Stunden fliegen zeigt Wirkung. Der alte Mann zuckt mit den Schultern, guckt ohne jeglichen Ausdruck. Aber ich lasse mich nicht abwimmeln, bleibe einfach stehen und wiederhole immer wieder meine Frage: Was ich jetzt tun?
Drei Menschen, eine Adresse und ein Telefon-Marathon
Der Uniformierte Grauhaarige bedeutet mir schließlich, ihm zu folgen. Kurz darauf stehen wir in einem anderen Kabuff, in dem eine weitere Uniformierte Videoschnulzen anguckt. Informationen werden ausgetauscht, mein Adresszettel konsultiert. Plötzlich und schnurstracks ruft die Frau, die ich nun als Concierge erkenne, irgendwo an und spricht. Tatsächlich schien mir, sie habe einfach die erstbeste Nummer auf einem Adresszettel genommen, den sie aus einer Schublade zog – und ist damit tatsächlich im Büro von Constellations International gelandet, wo ich arbeiten werde. (Wieso hatte ich eigentlich nicht diese Nummer?)
Zwei Minuten später steht Yan Lin, damals raktikantin bei Constellations International, vor der Tür, und zu viert überlegen wir, was nun zu tun sei. Das Handy der Gastfamilie ist out of connection. Yan Lin schlägt vor, erst mal was essen zu gehen. Sehr gute Idee. Beim Rausgehen fragt sie mich nach dem Namen der Familie. Ich wusste von Airbnb, dass er „Alfred“ heißt. Hm, und „Xiaoliang“ aus den E-Mails – aber das ist ja der Vorname!? Egal, wir versuchen es, gehen noch mal zur Concierge – und die weiß sofort, wer Xiaoliang ist.
Sie holt eine alte Kladde vom Schrank, blättert ein wenig und hat noch eine Telefonnummer. Jetzt wird telefoniert: Concierge und Xiaoliang, Yan Lin und Xiaoliang, kurz Xiaoliang und ich, dann wieder Yan Lin und Xiaoliang. Irgendwie kommt heraus, dass meine Gastfamilie gar nicht in China ist und in der Wohnung jemand anderes wohnt – die aber nicht da ist.
Endlich eine Unterkunft
Also gehen wir essen und warten. Um neun habe ich ein schlechtes Gewissen, weil Yan Lin zwei Stunden Heimfahrt vor sich hat. Also sage ich: „Komm, wir schauen mal, ob schon jemand da ist.“
Dumm ist, dass man nur mit einer Magnetkarte in den Wohnturm gelangt. Zum Glück lässt uns jemand rein. Wir klopfen an die Wohnungstür – keiner da. Da geht der Aufzug auf, und heraus kommt meine künftige Mitbewohnerin. Die sich vorstellt: "My name is Ka Ni". Um ja nichts falsch bei der Aussprache zu machen frage ich mehrmals nach den Tönen, bis sie mir zu verstehen gibt, dass Sie bei ihrem englischen Namen "Conny" angesprochen werden möchte, ihr chinesischer Name laute Li Qin. Ich lasse den Versuche, das richtig zu intonieren.
Die Wohnung ist groß, das Bad ziemlich winzig (aber die Familie wird ja eh abends duschen …). Li Qin ist sehr nett. Als ich ihr meine Lindt-Osterhasi-Mitbringsel schenke, stellt sich heraus, dass sie und die Familie Christen sind. An Ostern kann ich mit ihr in die Kirche gehen.
Jetzt bin ich erst mal richtig müde und falle ins Bett.
