Linzi Glass Im Jahr des Honigkuckucks
„Im Jahr des Honigkuckucks“
Manchmal begegnen uns Geschichten, die uns schmerzhaft daran erinnern, wie jung unsere Freiheit eigentlich ist. Linzi Glass nimmt uns in ihrem Buch mit in das Südafrika der Apartheid – eine Welt der strikten Trennung, die erst 1994 endete, was ich manchmal gar nicht glauben kann. Ein Datum, das sich erschreckend nah anfühlt.
Die Geschichte: Zwischen Pracht und Abgrund.
Im Zentrum steht die 12-jährige fantasievolle Emily in Johannesburg. Ihr Zuhause ist ein Ort der Gegensätze. Die Kälte der eigenen Familie: Ihre Eltern sind gefangen in einer zerbrechenden Ehe, in Streit und Gleichgültigkeit. Emily und ihre Schwester Sarah sind in dieser Welt auf sich allein gestellt.
Menschliche nähe findet Emily nicht bei ihren Eltern, sondern bei dem alten Zulu-Nachtwächter Buza. In seinen Geschichten findet nicht nur Emily Werte und Orientierung auch der Leser darf tief in eine Weisheit blicken, die weit über die Grenzen von Südafrika hinausreicht.
Das Unstete bricht ein
Die Ankunft einer reisenden Tierfotografen-Familie, "Die Zigeuner" wirbelt das starre Gefüge auf. Während Emily in Streak einen Freund findet, spürt sie gleichzeitig die unterschwellige Gewalt, die auch in dieser neuen Gemeinschaft brodelt.
Was bleibt hängen?
Das Buch ist mehr als eine historische Erzählung. Es stellt uns die Frage: Wo finden wir Trost, wenn die Welt um uns herum – und die eigene Familie – zerfällt? Für Emily ist es die Weisheit des alten Buza. Es ist eine Erinnerung daran, dass Menschlichkeit keine Grenzen kennt, selbst wenn Gesetze sie erzwingen wollen. Eine Geschichte über das Erwachsenwerden in einer fragilen Welt, in der unter jeder Oberfläche ein Sturm schwelt.
Mein Fazit: Nichts für zartbesaitete Gemüter
„Im Jahr des Honigkuckucks“ schlägt eine Richtung ein, die man zu Beginn kaum vermutet. Wer eine leichte Jugendgeschichte erwartet, wird eines Besseren belehrt. Die Geschichte ist ernst und mutet dem Leser einiges zu, das die Abgründe menschlicher Gewalt und emotionaler Kälte ungeschönt zeigt. Ein Buch, das nachklingt, aber definitiv keine leichte Kost für zwischendurch ist.
