Ist das Haferschleim oder ne Depression?

Grau in Grau ist das Sinnbild von Langeweile Depression und Haferschleim

Februar. Kalt. Grau. Nass.

Die Konsistenz eines abgestandenen Haferschleims. Ich sitze im Wohnzimmer, starre auf meine Greenbox, mein einziger Lichtblick und hoffe, dass wenigstens der Basilikum einmal fröhlich zurückwinkt. Es könnte gemütlich sein denkt man. Statt dessen denke ich: Was mache ich jetzt? Habe ich zu irgendetwas Lust?

Anzucht der Melancholie

Mama, mir ist langweilig. Was antwortete Mama? Hatte sie Ideen? Drückte sie mir einen Wischmob in die Hand? Überhörte sie mein Jammern und schaltete das Fernsehen an?

Ich weiß es nicht mehr. Es vergeht in einer zähen Langeweile. Haben wir Mensch-Ärgere-Dich-nicht gespielt? Im Februar? Diesem knallkalten Wintermonat? Und heute? Was tue ich gegen die Langweile?

Letztes Jahr hab ich im Februar diverse Anzuchttöpfchen befüllt, nur um im März vergeilte Setzlinge in den Bokashi-Eimer zu werfen. Diesen Fehler begehe ich in diesem Monat der ausgemachten Langeweile nicht. Ich werde mich einfach langweilen. Mich dem Nichtstun hingeben. Nicht mal diesen Artikel werde ich fertigschreiben. Aus lauter Langweile.

Wie läufts bei Dir so, Monstera?

Langeweile im Februar ist die Phase, in der man beginnt, seine Zimmerpflanzen nach ihrem Befinden zu fragen. „Und, wie läuft’s bei dir so, Monstera? Immer noch keine neuen Blätter? Verstehe, ich hab ja auch keine Ideen.“ Wenn man dann erwischt wird, wie man den Staub auf den Blättern alphabetisch sortiert, weiß man: Es ist Zeit für eine Intervention. Oder acuh nur ein Wohnmobil-Video auf YouTube, bei dem jemand bei -5 Grad in Lettland so tut, als wäre es die beste Abwechslung von echter Langeweile? Der will ja auch nur Klicks. Soll er haben. Meine Laune bessert sich nicht. Im Geringsten. Ich lang-weile-mich.

Langweilen oder Schlafen?

Soll ich einfach schlafen? Aber ich bin ja gar nicht müde. Wart mal, ich hatte mal so ne App um meinen "Schlaf zu optimieren". Da gings um Schlafgesundheit und Schlafziele. Blöde Wörter. Jetzt wird aus Langeweile Ärger. Richtig grantig fühl ich mich.

Selbst der Vogel langweilt sich im grauen Februar

Was willst Du? Ist doch toll hier draußen mitten im grauen Nichts auszuharren. Was glaubst du denn, was ich als Kupfervogel so den lieben langen Tag machen?

Das Experiment: Die Erfindung des „Nichts“

So geht das nicht weiter. Ich tue jetzt was. Gegen die Langeweile. Ich erfinde einfach was.

Einleitung: Das große Grau

Es ist Dienstag, der 5. Februar. Ein Tag wie ein ungewaschener grauer Wollpullover. Es regnet. Es regnet diesen feinen, demoralisierenden Sprühregen.

Ich, am Küchentisch, beobachte eine einzelne, vertrocknete Erbse, die unter den Kühlschrank gerollt war. Mein Terminkalender so leer, dass das Weiß des Papiers mich fast blendet. Die Langeweile ist nicht mehr nur ein Gefühl; sie ist ein Mitbewohner, der ungefragt auf dem Sofa sitzt und gedehnt mein Müsli anstarrt.

Die Obsession

Gegen 14 Uhr erreicht die Öde eine kritische Masse. Ich beschließe, nicht mehr gegen die Langeweile anzukämpfen. Nein! Jetzt werde ich sie perfektionieren. Ich werde zum „absoluten Nichts“ und das erforsche ich dann.

Zuerst versuche ich, im Muster meiner Raufasertapete fündig zu werden. Ich gebe den kleinen Erhebungen Namen. Heinz Rüdiger ist eine besonders spitze Wölbung links oben, Giselheer und die drie Musketiere eine Gruppe kleiner Punkte neben dem Lichtschalter.

Ich bin jetzt Wissenschaftler im Dienste der absoluten Bedeutungslosigkeit.

Und das Gruselige daran ist: Die Zeit vergeht kein bisschen schneller. Aber auch kein Jota. Sie tickt vor sich hin, draußen schlägt es um von grau nach dunkelgrau, den Kipppunkt habe ich verpasst. Wie konnte das sein? Die einzige Unterbrechung, der Moment, wo der langweilige Tag in eine langweilige Nacht übergeht ist unbemerkt an mir vorübergegangen.