Die Polizeiklappe
Gestern Nacht suchte eine Räuberbande unsere Gartenkolonie heim. Das volle Programm: Klirrende Fenster, eingetretene Türen und – die größte Sünde – geleerte Kühlschränke.
Die Tarnung flog auf, als sich einer der Ganoven an einer Scherbe schnitt und einen Schmerzensschrei ausstieß, der Mark und Bein erschütterte. Das Geheul riss unseren Kolonie-Sheriff aus dem Tiefschlaf.
Seine Laube liegt strategisch günstig an einer T-Kreuzung, keine 50 Meter entfernt. Blitzschnell alarmierte er die Polizei und baute sich als „Berg von einem Mann“ mitten auf dem Weg auf. Ein Anblick, der jeden Fluchtinstinkt sofort im Keim erstickte.
Die Meute floh also in die Gegenrichtung, Tor 2 entgegen. Doch dort rollte gerade der Streifenwagen an. Die Einbrecher stoppten abrupt: Vor ihnen das Gesetz, hinter ihnen der Gärtner-Hüne. Klassisches Patt.
Da beobachteten sie, wie sich die Polizisten am Tor zu schaffen machen: Das Tor ist verschlossen. Sie rütteln daran. Es bleibt zu. Die Räuber sind verunsichtert und schleichen sich seitwärts Richtung Laubeneingang, da brüllt die Polizei "Stehenbleiben!" und macht sich daran, das Tor zu übersteigen.
Nur will das nicht richtig klappen. Das Tor war zu hoch, die Polizistin zu dick oder das Dienstfrühstück zu üppig. Sie zieht, er schiebt, das Tor rattert.
Sie hopst, er flucht – und die Räuber? Bogen sich vor Lachen.
Jetzt aber: Räuberleiter und ein Schubs, dann fällt sie auf der anderen Seite des Tores hinunter und die Räuber nehmen immer noch prustend die Beine in die Hand: Mit einem Satz über den ersten Zaun, mit einem zweiten über den nächsten – und weg waren die Banditen. Auf Nimmerwiedersehen.
Fast. Denn nur Stunden später kehrten sie dreist zurück und nisteten sich ausgerechnet in der Zweitlaube des ersten Vorstands ein.
(Man muss wissen: Unsere „Großkopferten“ residieren hier standesgemäß auf zwei, drei oder gleich vier Parzellen gleichzeitig).
Am nächsten Tag rückte die Staatsgewalt zur Spurensicherung und Videoauswertung an. Die Beamtin vom Vorabend stellte sich entwaffnend charmant vor: „Hallo, genau, ich bin die Unsportliche.“ Wir haben es ihr verziehen – vermutlich sind die Räuber aus reinem Mitleid nie wiedergekommen.
Seitdem gibt es an Tor 2 eine „Polizistenklappe“. Eine Schwingtür in Bodennähe, 1x1 Meter groß, damit die Staatsgewalt beim nächsten Mal einfach per Flugrolle hindurchschießen und die Räuber doch noch fassen kann.
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